Seepferdchen Heiligendamm

Winter - und Eisbadeverein e.V.

Medizinische Aspekte des Winterbadens

 

Die Seepferdchen Heiligendamm und die MEDIAN Klinik in Heiligendamm sind eng miteinander verbunden.

Unser Gründungsmitglied Dr. sc. med. Stefan Hummel ist nicht nur Winterbader aus Leidenschaft, sondernd auch einer der führenden Köpfe beim Thema Winterbaden aus medizinischer Sicht. An dieser Stelle wird es darum immer wieder neue Erkenntnisse und Veröffentlichungen aus ärztlicher Sicht geben. Eines aber ist sicher. Das Baden im kalten Wasser macht nicht nur verdammt glücklich, es hat in vielerlei Hinsicht positive Auswirkungen auf unseren Körper.

 

Die uns heute noch prägende  genetische Ausstattung wurde vor etwa 60 000 Jahren im Zeitalter der Jäger und Sammler festgelegt. Hunger und Kälte gehörten zum Alltag und härteten  den Urmenschen ab – Sein Immunsystem war intakt, es musste sein Überleben sichern. Die alten Germanen waren bekannt ob ihrer Naturverbundenheit, wie es uns der römische Dichter Tacitus in seiner Arbeit über die Germanen wortreich überliefert hat. Nach erholsamem Schlafe im Bärenpelz erwacht,  erweckte ein Bad im kalten Wasser eines Flusses  die Lebensgeister für einen Tag voller Herausforderungen.

In der modernen Zivilisation ist das Leben sicher und bequem geworden, der Körperabwehr fehlen Trainingsreize, es ist träge und auf ein Behaglichkeitsniveau geschrumpft. Kein Säbelzahntiger, sondern überflussbedingte Zivilisationskrankheiten bedrohen jetzt unsere  Gesundheit. Bereits der Urvater der Medizin Hippokrates erkannte solcherart Gesetzmäßigkeiten und lobte die starke  Heilkraft der Natur. Er empfahl kalte Bäder mit nachfolgender Bewegung , weil sie  zu einer Abhärtung führen und das Immunsystem stärken. In seiner Sprechstunde wurden Eisblöcke  vom göttlichen Berge Olymp benutzt,

Im 19. Jahrhundert werden diese Ideen von den Naturheilkundlern Prießnitz und Sebastian Kneipp aufgenommen und weiterentwickelt.


Allgemeine Wirkungen des Winterbadens auf den menschlichen Körper

 

 

Jeder Mensch, der erstmals sich kaltem Wasser aussetzt, bemerkt eine blitzartige und sofortige Wirkung:

Wir erleben eine anfangs schmerzhafte, später prickelnd starke Gefäßkontraktion der Haut, wenige Sekunden später gefolgt von einer angenehmen  Wärmewelle. Verantwortlich dafür sind die  Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin, sie kurbeln die Durchblutung unverzüglich an. Der Puls steigt an, der Blutdruck erhöht sich, um später unter den Ausgangswert abzufallen. Schnell verfügbare  Kohlehydrate dienen dabei als Brennstoff und werfen den inneren Ofen an. Haben wir uns an diese ersten Erfahrungen gewöhnt und setzen wir unseren Körper regelmäßig den Kaltwasserreizen aus geschieht folgendes: Jeder Kaltwasserreiz löst richtig dosiert eine positive Stressreaktion aus, die zu sinnvollen und gesunden Gegenregulationen führt..Die Wirkungen sind überzeugend : Infekte verlaufen deutlich milder, Bakterien und Viren werden wirksam bekämpft. Im Mittelpunkt steht dabei das hochwirksame antioxydative Abwehrsystem (1).

Das Kreislaufsystem reagiert prompt und arbeitet effektiv, Durchblutung und Blutdruck werden  normalisiert.

Nervöse Störungen und Überhitzungen des Körpers (burn out) werden durch Abkühlung normalisiert.Der anfängliche helle und prickelnde Schmerz wird später nicht mehr wahrgenommen, eine positive Wirkung auf Entzündungsvorgänge  führt langfristig zu einer Abnahme von rheumatischen Schmerzen und Entzündungen.

Die zentral ausgelöste Freisetzung von „Glückshormonen“ besiegt die  „innere Traurigkeit“ Depressionen werden gemindert,(6)  In „den überhitzten von burn out-geschädigten Menschen  kehrt kühle und heilsame Lebensenergie zurück.

Das gemeinsame Baden in kaltem Wasser führt zu verstärkter Lebensfreude und Geselligkeit.Die Selbstüberwindung beim Baden in kaltem Wasser ist ein wiederholtes selbstbestätigendes  Erfolgserlebnis, es hebt das Lebensgefühl.

Die positiven Effekte sind auf  eine  Abhärtung zurückzuführen. Definition „Abhärtung“ nach Conradi (1984):

Abhärtung ist eine Steigerung der physischen Leistung und der Widerstandsfähigkeit des menschlichen Organismus durch systematische Anwendung von thermischen Reizen, bevorzugt durch Exposition bei kalten oder sehr kalten Umgebungstemperaturen, verbunden mit einem sportlichen auf Förderung der Ausdauerleistung gerichteten Trainings.

Der Abhärtung liegen Prozesse der physiologischen Anpassung (Adaptation) zugrunde.

 

Regelmäßigkeit:

 

Die gesundheitsfördernde Wirkung tritt in Erscheinung, wenn der  Körper wiederholt trainiert wird. Das Minimum wären ein bis  zwei Anwendungen pro Woche

 

Vorsichtsmaßnahmen und Gegenanzeigen:

 

Das Winterbaden ist sehr intensiv und setzt  einen stabilen Gesundheitszustand voraus.

 

  • Das Winterbaden sollte bei geringer Wassertiefe betrieben werden

  • Der Kopf sollten nicht untergetaucht werden, die Ohren sind besonders zu schützen

  • Man sollte nicht allein, sondern in Gruppen Baden

  • Gründliche Erwärmung vor und Vermeiden von weiterer Abkühlung nach dem Bade

Gegenanzeigen für solch starke Kaltwasserreize sind   alle instabilen und nicht ausreichend therapierten Gesundheitszustände wie

  • labiler Bluthochdruck,

  • Durchblutungsstörungen des Herzens,

  • Zustand nach frischem Herzinfarkt, implantierte Herzschrittmacher und Defibrillatoren,

  • Verschlusskrankheiten der Arterien,  

  • frische Thrombosen,

  • kälteallergische Erscheinungen,

  • Nierenkrankheiten,

  • Anfallsleiden

  • und akute Infekte.


Tabelle Kaltwassertdosierung modifiziert nach Latyshev und Bokshej





Zeitdauer der Belastung







Wassertemperatur

Anfänger

Fortgeschrittener

Trainierter





0 Grad Celcius

5 bis 30 sec

30 sec bis 1min 15 sec

3 bis 5 min





5 Grad Celcius

10 bis 25 sec

45 sec bis 1 min 30 sec

5 bis 10 min





10 Grad Celcius

12 bis 35 sec

50 sec bis 2 min

8 bis 16 min





15 Grad Celcius

15 bis 55 sec

1min 15 sec bis 4 min

17 bis 30 min